6.3.2018

Ein 36-jährige Pole soll seit 2008 als ungelernter Altenpfleger, unter anderem in England gearbeitet haben. Seine Jobs bekam er von Vermittlungsagenturen aus Polen und der Slowakei.
Nun starb ein 87-Jähriger aus Ottobrunn bei München, nachdem Grzegorz Stanislaw Wolsztajn ihm mehrfach Insulin gespritzt haben soll. Der Rentner war kein Diabetiker.
Die Beamten ermittelten bislang 20 Pflegebedürftige in Deutschland, die Wolsztajn betreut haben soll. Vier davon seien mit extrem niedrigen Blutzuckerwerten ins Krankenhaus gebracht worden.
Polizei und Staatsanwaltschaft gehen von einer ganzen Serie ähnlicher Taten aus. Mindestens zwei weitere Rentner starben, während sie von Wolsztajn betreut wurden.
Weil der Tatverdächtige über Jahre hinweg als Pflegekraft in Deutschland tätig war, befürchtet die Polizei, dass es noch deutlich mehr Opfer geben könnte. Deswegen habe man sich dazu entschlossen, seinen vollen Namen zu nennen und ein Foto von Wolsztajn zu veröffentlichen, erklärt Oberstaatsanwältin Anne Leiding.

Quelle:sueddeutsche.de/muenchen/polizei-muenchen-pfleger-soll-rentner-mit-insulin-getoetet-und-bestohlen-haben-1.3894200

Anmerkung:
Das Gehirn zieht pro Stunde durchschnittl 6g Glukose aus dem Blut, also rund 140g Glukose am Tag. Das entspricht etwa 14 Esslöffeln Zucker. Der Organismus stellt das aus z. B. Brot, Nudeln oder Kartoffeln her. Bei Sport sinkt der Blutzucker um cirka 100 mg/dl.

Von der Nahrungsaufnahme sind rund 50% Kohlenhydrate (Zucker), die es in verschiedener Form gibt. Im Magen-Darm-Trakt werden die Kohlenhydrate zerkleinert und in Einfachzucker aufgespalten. Dann gelangen die Zuckerbausteine über die Darmwand in die Blutbahn und werden zu den Körperzellen transportiert, die den Zucker verbrennen um Energie zu gewinnen.

In der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) befinden sich:
– Alpha-Zellen die das Hormon Glukagon produzieren. Glukagon erhöht den Blutzucker.
Das Glukagon bewirkt die Freisetzung des in der Leber gespeicherten Zuckers.
– Beta-Zellen die das Hormon Insulin produzieren. Insulin senkt den Blutzuckerspiegel.
Das Insulin schleust den Zucker aus der Blutbahn in die Körperzellen und in die Leber als Zuckerreserve.

Über ein dichtes Netz sehr feiner Blutgefäße in den Langerhans-Inseln stehen die Beta-Zellen direkt mit dem Blutkreislauf in Verbindung und kontrollieren den Blutzucker.
Bei Hypoglykämie (Unterzuckerung) drosselt die Bauschspeicheldrüse die Insulin-Freisetzung und die Alpha-Zellen schütten das Hormon Glukagon aus. Dadurch gibt die Leber ihre Reserven (cirka 240g Glukose) frei und der gespeicherte Zucker wird rasch in die Blutbahn abgegeben.

Das ist die automatische Blutzuckersteuerung bei Gesunden. Daher ist Unterzucker ohne Diabetes äußerst selten.

Anders bei einem Diabetiker, denn da strömt bei Unterzuckerung die Glukose schneller in die Gewebe (hauptsächlich in die Muskultur) ab, als die Leber sie nachfüllen kann.
Bei einem Typ 1 werden bei der ICT zwei Insulinanaloga verwenden. Ein schnell wirkendes Bolusinsulin für die Mahlzeiten und ein langsam wirkendes Basalinsulin für den Grundbedarf, wobei der Grundbedarf (Basalinsulin) 40% und der Gesamtbedarf (Bolusinsulin) 60% beträgt.

Zum Beispiel: Ein Mensch von 80 Kg hat einen Gesamtbedarf von 40 bis 80 I.E. Insulin. Sein Basalbedarf liegt somit zwischen 16 (40% von 40 I.E.) und 48 (60% von 80 I.E) Einheiten.
Das sind immerhin 32 I.E. Unterschied; spätestens hier wird klar, dass zur Ersteinstellung jede Menge Erfahrung notwendig ist.

Insulin wird stets subkutan angewendet, also unter die Haut injiziert.
Ausnahme wäre eine intravenöse Anwendung bei einer Hyperglykämie. Wenn bei einem Diabetiker eine Überzuckerung (>18mmol/l = ca. 360mg/dl) vorliegt, führt der Insulinmangel zu einer tiefen Bewußtlosigkeit (diabetisches Koma), eine lebensgefährliche Stoffwechselentgleisung. Es sollten aber 5 Einheiten intravenös gespritztes Insulin nicht überschriftten werden. Wenn die Vene nicht getroffen wird, wirkt das Insulin wie bei der normalen subkutanen Anwendung und es sollte kein zweiter Versuch durchgeführt werden.

Beim Typ-2-Diabetes ist dagegen die Insulinwirkung beeinträchtigt, sodass die Zellen schlechter auf das Hormon ansprechen. Die Beta-Zellen produzieren zunächst verstärkt Insulin, bis oft nach mehreren Jahren Erkrankungsdauer schließlich die Insulinproduktion versiegt.

Beim Typ-1-Diabetes zerstört das eigene Immunsystem die Beta-Zellen. Die Betroffenen sind deshalb lebenslang auf eine Insulintherapie angewiesen.


Zusatzinfo:
Hypoglykämie kann in Verbindung mit folgenden Arzneimittel auftreten:
Disopyramid (bei einigen Herzbeschwerden),
Fluoxetin (bei Depressionen),
Sulfonamid-Antibiotika,
Fibrate (zur Senkung hoher Blutfettwerte),
Monoaminoxidase-(MAO-)Hemmer (bei Depressionen),
Angiotensin-Converting-Enzym-(ACE-)Hemmer (bei Herzerkrankungen oder hohem Blutdruck),
Arzneimittel zur Schmerzlinderung und zur Fiebersenkung, wie Pentoxifyllin, Propoxyphen, Salicylate (z. B. Acetylsalicylsäure/Aspirin),
Pentamidin (bei einigen Infektionen, die durch Parasiten verursacht werden),
Betablocker und andere „Sympatholytika“ (wie Clonidin, Guanethidin oder Reserpin – bei hohem Blutdruck) die die ersten Warnzeichen einer Unterzuckerung abschwächen oder ganz unterdrücken können.

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